Wer als umwelt- und kostenbewusster Verbraucher einen Kühlschrank kaufen will, achtet auf die Energieeffizienzklassen. Bei jedem Autotyp machen die Hersteller Angaben über den Kraftstoffverbrauch. Wer aber eine Wohnung sucht und auf die Heizkosten achten möchte, erhält kaum Auskünfte zum Energiebedarf. Was bei Elektrogeräten und Autos bereits lange Standard ist, wird nun auch bei Immobilien eingeführt: Ab 2006 wird für jedes Gebäude ein Energiepass gefordert.
Die Einführung des Energiepasses basiert auf der EU-Gebäuderichtlinie „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ und verpflichtet die EU-Mitgliedsländer, Maßnahmen der Energie- und CO2-Einsparung bis 2006 in nationales Recht umzusetzen. Dem Gebäudeenergiepass kommt dabei eine zentrale Rolle zu, er muss ab dem 01.01.2006 bei jedem Nutzerwechsel vorgelegt werden, also immer dann, wenn Mieter oder Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung wechseln.
Der Energiepass gibt Auskunft über die Energieeffizienz eines Gebäudes. Mithilfe einer farbigen Klassifizierung ermöglicht er auch Verbrauchern ohne technische Vorkenntnisse eine schnelle Orientierung und die Einordnung des Gebäudes. Der Energiepass bietet somit eine schnelle Entscheidungshilfe vor Kauf und Miete von Wohnungen und Gebäuden.

Der Energiepass kann natürlich keinem Verbraucher verraten, wie hoch gerade seine Energiekosten in dem Gebäude sein werden. Schließlich verhält sich jeder auch beim Heizen anders und hat andere Bedürfnisse. Aber der Energiepass kann allgemeine Werte liefern, auf deren Basis verschiedene Gebäude miteinander verglichen werden können.
Außerdem enthält der Energiepass Empfehlungen zu Sanierungsmöglichkeiten. Letzlich soll der Energiepass CO2 einsparen helfen und somit den Treibhauseffekt und seine Folgen eindämmen.
Von dem Energiepass soll in erster Linie die Umwelt profitieren. Denn der Energiepass ermöglicht es dem Verbraucher, vor dem Erwerb oder der Anmietung einer Wohnung oder eines Hauses, den Energiebedarf einzuschätzen und mit dem Energiebedarf anderer Wohnungen zu vergleichen. Das bedeutet vor allem, dass der Wohnungsmarkt in Bezug auf die Heizkosten durch den Energiepass sehr viel transparenter wird. In privaten Haushalten stellen die Heizkosten den größten Anteil der Betriebskosten dar. Noch immer wird in Deutschland ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs für die Raumheizung und Warmwasserbereitung aufgewendet. Dennoch ist, anders als bei vielen Haushaltsgeräten und Autos, der Energieverbrauch von Gebäuden für deren Nutzer bislang noch eine unbekannte Größe.
Da anzunehmen ist, dass die Verbraucher an niedrigen Energiekosten interessiert sind, kann der Energiepass langfristig dazu führen, dass auch für Vermieter ein geringer Energieverbrauch ihrer Immobilien von zunehmender Bedeutung wird. Denn mit dem Energiepass können sich Verbraucher gezielt nach Wohnungen mit geringen Nebenkosten für Heizung und Warmwasser umsehen. So wiederum kann der Energiepass dazu führen, dass Wohnungen mit hohem Energieverbrauch schwierig und nur zu geringeren Quadratmeter-Preisen als bisher zu vermieten sein werden. Folglich müssten Vermieter zukünftig ein größeres Interesse daran haben, ihre Immobilie zu sanieren und dann zu höheren Preisen zu vermieten. Und sanierte Wohnungen mit einem positiven Energiepass kommen der Umwelt zugute.
Der Energiepass soll auf dem Immobilienmarkt zu einem wirksamen Instrument für mehr Transparenz werden und muss dem Verbraucher einen möglichste unkomplizierten Vergleich zwischen unterschiedlichen Angeboten am Wohnungsmarkt ermöglichen. Er muss das Reihenhaus mit dem Einfamilienhaus und der Etagenwohnung vergleichen können. Mit dem Energiepass-Label soll schon bald so verständlich mit der Energieeffizienzklasse geworben werden, wie es bei Kühlschränken und Waschmaschinen längst Praxis ist.
Eine Anzeige im Immobilienteil der Zeitung könnte in Zukunft so aussehen:
60322 Frankfurt am Main,
schöne Altbauwohnung 110 m2, 4 Zi.,
ruhige Lage, EBK, Parkett, Balkon,
ab 01. Oktober,
Energieeffizienzklasse 70
Neben der Umwelt und den Verbrauchern profitieren auch die Immobilienbesitzer vom Energiepass. Bestandteil des Energiepasses sind nämlich auch Modernisierungstipps und Empfehlungen für eine Sanierung. Langfristig ist ein saniertes Gebäude mit einem positiven Energiepass auch für den Besitzer wertvoller, weil ein günstiger Energiepass so etwas wie ein Gütesiegel für Wohnraum sein und als Werbung genutzt werden kann. Gerade bei steigenden Energiekosten kann man davon ausgehen, dass der Energiepass ins Zentrum des Interesses rückt.
Der Energiepass bietet Hausbesitzern eine Hilfestellung bei der Planung von Sanierungsmaßnahmen. Er zeigt ihnen, mit welchen Maßnahmen welche Stufe der Energieeinsparung erreicht werden kann. Außerdem zeigt der Energiepass auch Sparmöglichkeiten auf.
Wer einen Energiepass ausstellen darf, wird in den jeweiligen Bundesländern geregelt. In den meisten Bundesländern sind hierfür die Bauvorlagenberechtigten nach Landesbauordnung und Sachverständige für Schall- und Wärmeschutz zugelassen.
Das Rechenverfahren für die Ausstellung des Energiepasses ist weitgehend in der Energieeinsparverordnung EnEV gesetzlich vorgegeben und vereinheitlicht. Zur Erstellung des Energiepasses ist immer die Begehung des Gebäudes durch den Aussteller erforderlich. So weit vorhanden sollen dem Aussteller folgende Unterlagen zur Verfügung gestellt werden: Pläne (Grundrisse, Ansichten und Schnitte), Baubeschreibungen, Schornsteinfegerberichte, sowie Verbrauchsabrechnungen möglichst der letzen drei Jahre für Gas, Öl, Fernwärme, Strom und Wasser. Bei der Energiepass-Erstellung können zwei unterschiedliche Arten der Datenerfassung angewandt werden: Die vereinfachte und die ausführliche Datenerfassung.
Bei der vereinfachten Datenerfassung werden die energetische Qualität der Bauteile (Dach, Wand, Fenster) und die Eigenschaften der Heizungsanlage aufgrund wissenschaftlich abgesicherter Erfahrungswerte pauschal festgelegt. Die Größe von Bauteilflächen werden mittels eines vereinfachten Aufmaßes bestimmt, einzelne Bauteile wie Gauben, oder beheizte Kellerräume dürfen bis zu einer gewissen Größe vernachlässigt werden. Durch diese Vereinfachungen kann das Gebäude mit geringerem Zeitaufwand erfasst werden, was die Kosten für den Energiepass deutlich reduziert.
Mit der ausführlichen Datenerfassung werden die energetische Qualität der Bauteile, sämtliche Flächen und die Eigenschaften der Heizungsanlage aus den Bauunterlagen ermittelt oder bei der Gebäudebegehung detailliert aufgenommen. Das ausführliche Verfahren ergibt in der Regel genauere Ergebnisse als das Kurzverfahren und wird insbesondere dann empfohlen, wenn Maßnahmen zur Gebäudesanierung beabsichtigt oder aufgrund des augenscheinlichen Zustandes des Gebäudes angeraten sind. Es erfordert jedoch einen höheren Zeitaufwand.
Die Kosten für die Ausstellung eines Energiepasses werden grundsätzlich nach Aufwand ermittelt. In einem Feldversuch der Deutschen Energie-Agentur in Berlin wurden hierzu die Erfahrungen von zahlreichen Ausstellern gesammelt und ausgewertet. Die Preise variierten hierbei in Abhängigkeit von der Gebäudegröße und dem Zeitaufwand bei der Gebäudeaufnahme. Für Einfamilienhäuser, für die ein Energiepass mit vereinfachter Gebäudeaufnahme ausgestellt wurden, lagen die Kosten zwischen 100,00 und 300,00 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.gebaeudeenergiepass.de oder auf der Seite des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (kurz: BMVDW)
Als Fachliteratur empfehlen wir Ihnen folgende Bücher:Ingrid Vogler, Gerd Hauser, Hans-Dieter Hegner
EnEV-Novelle 2004 – für die Praxis kommentiert
Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2005
ISBN 3-433-01812-X
EUR 19,90
Hans-Dieter Hegner (Hrsg.)
Bauphysik Spezial. Anwendung der Energieeinsparverordnung
Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2005
ISBN 2-433-01715-8
EUR 44,90
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